Die Walfangflotte

18 April 2017

Viel Leid für null Erkenntnis

Japan behauptet Jahr für Jahr, Wale für die Wissenschaft zu töten. Das ist ein gut einstudiertes Theaterstück. Forscher sollten da nicht mitspielen.

 

Es ist ein freudloses Theater, das die mehr als zwei Dutzend Wissenschaftler, die dem Expertenkreis der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) angehören, Jahr für Jahr mitspielen: Japan reicht seinen Antrag auf Walfangrechte ein, es legt dar, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es sich von der Jagd erhofft. Die Forscher des IWC machen Vorschläge, wie man das Wissen auf andere Weise erlangen könnte. Und am Ende schickt Japan seine Walfangflotte trotzdem los. Es ist eine einstudierte Zeremonie mit absehbarem Ausgang.

 

Mit Explosivharpunen gehen die Jäger auf die Wale los. Die Geräte werden von fest installierten Kanonen abgeschossen, ihre Spitze gräbt sich durch den Blubber der Tiere, zwei ellenlange Widerhaken bohren sich ins Fleisch. Dann explodiert eine Sprengladung in ihrem Inneren. Anders gehe es nicht, sagt die Walfangnation Japan seit Jahrzehnten: alles im Dienste der Wissenschaft. Was für ein haarsträubender Blödsinn!

 

Tatsächlich erlaubt das IWC, Wale zu Forschungszwecken zu jagen. Aber Japan ist das einzige Land, das dieses Argument bemüht, um seine Anträge auf Walfang zu begründen. Norwegen und Island, die den Meeressäugern in ähnlichem Umfang nachstellen, machen sich keine Mühe, ihr Treiben zu verschleiern. Sie bezeichnen ihre Jagd als das, was sie ist: als kommerziell. Dafür kassieren sie Jahr für Jahr eine Protestnote vom IWC – die sie ignorieren. Sanktionen kann die Kommission nicht verhängen.

 

Auch in Japan landet das Walfleisch am Ende in Restaurants und Supermärkten. Jeder weiß, dass die angeführten wissenschaftlichen Zwecke nur ein Vorwand sind. 10.712 Minkwale haben die angeblichen Forscher in zehn Jahren getötet – und gerade einmal zwei Publikationen in Fachjournalen vorzuweisen. Die Forschungsprojekte – sofern man sie so nennen will – müssten mittlerweile einen immensen Datensatz zusammengetragen haben. Doch falls es ihn gibt, verhilft dieser der Fachwelt nicht zu neuen Erkenntnissen, denn die Forscher teilen ihre Ergebnisse de facto mit niemandem.

 

Und selbst wenn sie mehr Ergebnisse veröffentlichen würden, ließe sich das Harpunieren damit kaum rechtfertigen. Denn für die allermeisten Befunde müsste überhaupt kein Tier sterben. Wer wissen will, was die Wale fressen, muss ihnen nicht den Magen aufschneiden, sondern nur ein "poop net" hinter ihnen herziehen und die gesammelten Fäkalien untersuchen. Wer sie vermessen will, braucht ihren Körper nicht mit einem Kran an Bord zu hieven, sondern bloß eine Drohne aus der Luft Aufnahmen machen zu lassen. Wer ihr Alter bestimmen will, muss sie nicht zerlegen, um die DNA des Gewebes zu untersuchen, sondern stanzt einfach ein kleines Stück aus der Haut des Wals, wenn er an die Oberfläche kommt.

 

Doch von solchen Alternativen wollen die japanischen Walfänger nichts wissen. Das Land reagiert empfindlich, wenn es das Gefühl hat, dass sich jemand in innere Angelegenheiten einmischt. Als der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag das Forschungsargument als Vorwand entlarvte und den Walfang verbot, stieg kurzzeitig der Konsum von Walfleisch an. Protest? Jedenfalls kein Zufall. Wenn es um den Walfang geht, sind die Japaner starrköpfig. Doch Tradition genügt als Erklärung nicht, der wahre Grund sind wirtschaftliche Interessen. Und die reichen weit über den Walfang hinaus. "Wenn erst einmal das Prinzip, Wildtiere als nachhaltige Ressource nutzen zu dürfen, verletzt wird, würde unser Recht, andere Fische und Tierprodukte auszubeuten, beeinträchtigt", wurde Joji Morishita, Japans oberster Walfänger und mittlerweile Vizechef der IWC, vor einigen Jahren in der New York Times zitiert. Soll also heißen: Wenn wir beim Walfang nachgeben, müssen wir bald auch beim Fischfang nachgeben.

 

Etwa beim Blauflossenthun. Kein Land isst mehr von diesem Raubfisch, er ist für Sushi und Sashimi höchst begehrt. Der Bestand ist in den vergangenen Jahrzehnten kollabiert. Würde Wissenschaft wirklich zählen, müsste man den Fang sofort einstellen. Genau auf solche Diskussionen will sich Japan nicht einlassen.

 

Der Streit um das Walfangprogramm ist ein Stellvertreterkrieg. Darin sollte sich kein Wissenschaftler verwickeln lassen. Jedes Jahr sterben Hunderttausende Wale, Delfine und andere Meeressäuger wie Robben in Netzen. Sie werden von Schiffen überfahren, stranden, können sich wegen des zunehmenden Lärms in den Ozeanen schlechter orientieren. Es gibt genug zu tun. Echte Forscher sollten ihre Zeit nicht mit Theaterspielen verschwenden.

 

Wenn das Meer stirbt – stirbt der Mensch. 

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Auf der Spur der japanischen Walfangflotte

An Bord des Greenpeace-Schiffs Esperanza machen sich 37 Menschen auf eine gefährliche Reise in die Antarktis, auf der Spur der japanischen Walfangflotte. Die Crew will das Töten der Wale verhindern …

 

Japan will über Tausend der friedlichen Meeressäuger im Walschutzgebiet im Südpolarmeer töten - unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Auf der Fangliste stehen neben Zwerg- und Finnwalen erstmals auch Buckelwale. Das Fleisch landet in japanischen Restaurants.

 

Waghalsiger Rettungsversuch

Die Crew der Esperanza will das verhindern. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus über 20 Nationen, die eines verbindet: ihre Liebe zu Walen. Um die Tiere zu retten, sind die Aktivisten bereit, ihr Leben zu riskieren. Sie wollen sich in ihren Schlauchbooten als Schutzschild zwischen Wal und Harpune stellen. Doch zuvor muss die Mannschaft das stürmische Südpolarmeer überqueren und die Walfangflotte am endlosen Eisrand aufspüren. Dafür braucht es nicht nur Kalkül, sondern vor allem viel Glück. Japan setzt alles daran, eine Konfrontation mit Greenpeace zu umgehen.

 

Hilfe für die Wale?

In der einsamen Schönheit der Antarktis beginnt für die Esperanza ein Wettlauf mit der Zeit. Eine einzigartige Begegnung mit Buckelwalen macht der Mannschaft Mut. Doch im unerwarteten Verlauf der Ereignisse scheint eine Frage immer bohrender zu werden: Was wird der Einsatz der Esperanza den Walen am Ende wirklich nützen?

 

Wenn das Meer stirbt – stirbt der Mensch. 

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Norwegen tötet weltweit mit Abstand die meisten Wale 

2014 und 2015 fielen in Norwegen 1396 Zwergwale den Harpunen zum Opfer. Und dies, obwohl die Nachfrage nach Walfleisch gering ist.


Beim Thema Walfang liegt der Fokus fast ausschließlich auf Japan. Zu Unrecht, wie ein Bericht, den die NGOs OceanCare, Pro Wildlife und Animal Welfare Institute (AWI) am Montag veröffentlichten, zeigt: Norwegen hat in den vergangenen zwei Jahren offenbar mehr Wale getötet als Japan und Island zusammen. Ohne große Notwendigkeit, denn die Nachfrage nach Walfleisch scheint gering.


Dem Bericht der Artenschutzorganisationen zufolge fielen 2014 und 2015 in Norwegen 1396 Zwergwale den Harpunen zum Opfer, während Japan im gleichen Zeitraum 663 und Island 345 Wale tötete. Letztgenannte Staaten stehen dabei im Gegensatz zu Norwegen in der Kritik. Auf Island laste zumindest diplomatischer Druck, und Japan ist für sein Walfangprogramm vor dem internationalen Gerichtshof zu Verantwortung gezogen worden, hieß es in "Frozen in Time: Wie das moderne Norwegen am Walfang festhält".
"Seit zehn Jahren keine Demarche gegen Norwegen"


Für Nicolas Entrup, Konsulent von OceanCare, ist auch die Handlungsunfähigkeit der EU mit ein Grund, dass Norwegen von der Öffentlichkeit fast unbemerkt walten kann. "Sie liegt darin begründet, dass EU-Mitglied Dänemark Grönland in der Internationalen Walfangkommission (IWC) vertritt. Nachdem Grönland ebenfalls im Walfang tätig ist, will man diesen nicht zum Thema machen", sagte Entrup gegenüber der APA. Somit blockiert Dänemark jegliche Kritik am norwegischen Vorgehen seitens der EU. Und somit herrscht von dieser Seite her Schweigen, obwohl laut EU-Recht alle Walarten durch die Habitatrichtlinie von 1992 geschützt sind.


Die letzte Resolution, die seitens der IWC den kommerziellen Walfang Norwegens verurteilt, wurde im Jahr 2001 von Deutschland eingebracht. "Die Staatengemeinschaft hat seit zehn Jahren keine Demarche mehr gegen Norwegen in die Wege geleitet", stellte Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, fest. "Solange sich das nicht ändert, wird Norwegen sich hinter Island und Japan verstecken und weitermachen wie bisher", lautet ihre Prognose.


Norwegen nicht an Fangverbot gebunden
Norwegen hat trotz des 1986 erlassenen Verbots aller kommerziellen Walfänge durch die IWC seit 1993 die Jagd auf Zwergwale wieder zugelassen. Nachdem der Staat einen formellen Einspruch erhoben hat, ist er nicht an das Fangverbot gebunden - und somit rein rechtlich auch nicht belangbar.
Die kommerzielle Nachfrage nach Walfleisch als Nahrungsmittel für Menschen scheint indes gering zu sein: Ende März wiesen Pro Wildlife und OceanCare aufgrund von ihnen vorliegenden Dokumenten darauf hin, dass stattdessen 113 Tonnen Zwergwal-Fleisch - was rund 75 Tieren entspricht - 2014 auf norwegischen Pelztierfarmen an Zuchtnerze und -füchse verfüttert worden sei. Der nun vorliegende Bericht "Frozen in Time" beschreibt zudem die Bemühungen der norwegischen Walfangindustrie, ihr Walfleisch nach Japan zu verkaufen.
Ebenso finanziert die norwegische Regierung laut den NGOs Projekte, die den Absatz von Walprodukten im Land ankurbeln sollen. So unterstützt sie unter anderem die Entwicklung von Nahrungsergänzungsmitteln, alternativen Heilmitteln und Kosmetik aus Walöl.


"Diese Subventionierung des Walfangs ist der offenkundige Versuch, eine sterbende Industrie am Leben zu erhalten. Norweger essen kaum mehr Walfleisch," stellte Sandra Altherr, Biologin und Mitbegründerin von Pro Wildlife in diesem Kontext fest. Gemeinsam forderten die NGOs eine klare Botschaft der IWC an Norwegen, damit der kommerzielle Walfang ein Ende nimmt.

 

Wenn das Meer stirbt – stirbt der Mensch. 

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Meeressäugern in Gefangenschaft & die Abschlachtungen von Meeressäugern

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